Hugo Grotius

-Die Lehre von der Willenserklaerung, des Versprecheng und des Vertrages (Promissio)-

Eine Homage an einen der groessten Denker der Weltgeschichte

Mit Ehrfurcht erstellt von Dirk Henke

 
   

I n h a l t s v e r z e i c h n i s


I.Die Naturrechtslehre 1

II. Der Lebensweg Hugo Grotius    3
III. De Jure Belli ac Pacis libri tres.    5

1. Das Versprechen    6

a) Zusage ohne jede Bindung    6

b) Zusage die eine moralische Pflicht begruendet    6

c) Versprechen mit Rechtsbindungswillen    7

2. Der Vertrag    7

a) Wirksamkeit von Vertraegen    7

aa) Geschaeftsfaehigkeit des Versprechenden    7

bb) Form des Versprechens    8

cc) Erklaerungsbote und Vertreter    8

dd) Irrtum    8

ee) Drohung    9

ff) Unmoeglichkeit    9

gg) Sittenwidrigkeit   10

(1)Versprechen als Anreiz zu einem Verbrechen   10

(2)Zinswucher   10

hh) Annahme von Versprechen   10

ii) Widerruf   11

b) Vertragstypen   11

aa) Die austauschenden Handlungen   11

(1)Tausch   12

(2)Kauf   12

(3)Wechsel   12

(4)Besitztausch   12

(5)Pacht und Miete   12

bb) Vertragliche Nebenpflichten   12

IV.Stellungnahme   13


 

I Die Naturrechtslehre

Zurueckzufuehren ist der Begriff des Naturrechts auf den Platonischen Idealismus [1] .

Das Naturrecht spricht in gewisser Weise die Beziehung von Philosophie und Recht aus [2] . In

diesem Verhaeltnis ist die Philosophie repraesentiert in Form einer dem Menschen gegebenen unausloeschlichen, wenngleich auch manchmal unterdrueckten, Ethik. Diese Ethik basiert, wie Franz von Vitoria, Gabriel Vasquez und Hugo Grotius herausstellen, jedoch nicht auf Gottes Wille, sondern die Natur der Dinge selbst bestimme was gut oder verwerflich sei [3] . Dieses gewinnt an Anschaulichkeit, wenn es durch ein auch ein von Grotius genutztes Zitat [4] Senacas ergaenzt wird:

 

"Es gibt kein Koenigtum, das nicht am letzten Ende

Noch unter eines staerkeren Herren Herrschaft staende"

 

Grotius nimmt mithin die stoische Lehre vom consensus gentium auf, als empirischen Beweis des Naturrechts, und die Lehre von den communes nationes, die nur zum wissenschaftlichen Bewusstsein Gebracht werden muessen, als apriorische [5] . Dazu bedient sich Grotius auch Hesoids [6] , der sagte:

 

"Stimmt vieler Voelker Sinn in eine Meinung ein,

Kann diese Meinung wohl nicht fehlgegangen sein."

 

Wie Ludwig Molina erklaerte, entstehe die Verpflichtung des Naturrechts aus der Natur des Objektes selbst, und erweitere sich von hier zum Gesetz [7] . Es befindet sich jenseits der menschlichen Willkuer, jenseits der wechselnden Meinungen und der Interessen, die das positive Recht gebildet haben [8] . Wegen dieser fuer das theologische Naturrecht revolutionaeren Gedanken, wurde das Naturrecht immer mehr eine domaene der politisierenden Philosophen und philosophierenden Juristen [9] . Beiden weltlichen Gruppen ist gemeinsam, dass  sie neben den obersten philosophischen Prinzipien, dialektisch zu den Konklusionen, mithin zum profanen Naturrecht gelangen mussten. Das inhaltlich in alle Richtungen ausgedachte Naturrechtssystem wurde das zentrale Anliegen des profanen Naturrechts, um dem Naturrecht auch in der Praxis Bedeutung zu verleihen [10] . Zusaetzliche bewegende Kraft war ein neuartiger, an der Naturwissenschaft und an Descartes orientierter, Rationalismus. Der Begriff der ratio machte einen betraechtlichen Bedeutungswandel durch [11] . Der Mensch war ein von Gott gegebenes zur Gemeinschaft bestimmtes Wesen. Nunmehr machte er sich daran eine klare und wahre Erkenntnis zu erlangen. Abgekehrt vom Schaf hin zum Homosapiens, der dem Bild Gottes in Wirklichkeit mehr entspricht, als der vom Klerus geistig geknechtete Mensch.

Doch gelingt es Hugo Grotius sogar eine Biblische Grundlage fuer das profane Naturrecht zu finden, indem er darauf hinweist, dass  selbst Gott, obgleich er durch kein positives Gesetz verpflichtet werden kann, doch gegen seine Natur handeln wuerde, wenn er etwas Verheissenes nicht gewaehrt [12] .

 

II Der Lebensweg Hugo Grotius

Hugo Grotius, eigentlich Huig de Groot, wurde am Ostersonntag dem 10.April 1583 als Sohn des humanistischen gebildeten Ratsherrn und spaetere Buergermeister von Delft, Jan de Groot, und dessen Ehefrau Alida Booren van Overschie, in Delft geboren [13] . Schon im Alter von 9-11 Jahren schrieb er, unterrichtet von dem namhaften Theologen Jan Uytenbogaert, lateinische Elegien und Oden [14] . Am 3.August 1594 wurde der damals 11jaehrige, zum Anlass  seiner Immatrikulation an der Universitaet Leyden, von dem damaligen Kurator der Uni Leyden mit einem besonders zu seinen Ehren verfassten Gedicht von Johann von der Does empfangen [15] . Der unermuedliche Fleiss  Grotius erschreckte aeltere Freunde, die um dessen Gesundheit fuerchteten. Hugo Grotius war, wie Thomasius gesagt hat, schon in zarter Jugend unvorstellbar gelehrt.

Als Zwoelfjaehriger soll Hugo Grotius seine Mutter, mit dem ebenso eindringlichen wie charmanten Argument, sie sei zu klug um eine Papistin bleiben zu koennen, zur Konversion zur reformierten Kirche veranlasst haben. Der junge Grotius zeigte ein vielseitiges aber nicht zersplittertes geistiges Leben, indem er Religion, Wissenschaft und Heimatliebe miteinander vereinbart. Sein Denken scheint auch spaeter noch rationale, calvinistische, humanistische und nationale Denkweisen miteinander verein‑ baren zu koennen [16] .

Am 4. April 1598 erhielt Grotius, nachdem in Angers Heinrich IV vorgestellt wurde, von diesem eine goldene Kette geschenkt. Am 5.Mai 1598 erhielt er als Wunder der Bildung seiner Zeit in Orleons von demselben nach einer wissenschaftlichen Pruefung den Grad eines Doktors der Rechtswissenschaft [17] . Im darauf‑ folgendem Jahr trat Hugo Grotius, um die Advokatur auszuueben, in den oefentlichen Dienst seiner Heimat, der Staaten von Holland, der maechtigsten der sieben Provinzen der noerdlichen Niederlande [18] . Weiterhin bestimmte die hohe geistige Wissenschaft sein eigentliches Streben. Seine geistige Vielseitigkeit zeigt auch das eher technische, hollaendisch‑ nationale Problem eines Landschiffes, oder besser Strassenseglers, welches seinen Intellekt beschaeftigte [19] .

 

Hugo Grotius erweiterte seine theologischen Kenntnisse durch Kontakte zu Oytenborg und anderen Maennern, die dem Leydener Theologen Arminius nahe standen. Dennoch wollte er sich nie als Theologe bezeichnen lassen, und er ging auch den undankbaren theologischen Streitfragen, die er nicht liebte, aus dem Weg [20] . Mit den allgemeinen rechtstheoretischen Problemen, die hier noch von Interesse sein werden, beschaeftigte er sich erst durch den Auftrag der Ostindischen Companie, ihre Interessen im Streit um die Freiheit des hollaendischen ueberseehandels zu vertreten. Hugo Grotius, vor eine Frage nationaler Bedeutung gestellt, vollendete 1606 seine Schrift ueber die Freiheit des Meeres. Veroeffentlicht wurde jedoch zuerst nur ein Kapitel daraus. Grotius hatte sich nicht nur seinen Auftraggebern verbunden gefuehlt, sondern in erster Linie dem Naturrecht. Die gesamte Schrift ueber die Freiheit des Meeres erschien 1609 vollstaendig, und wurde nach dem Titel spaeterer auflagen "Mare liberum" zitiert [21] .

Am 2.Juli 1608 heiratete Hugo Grotius Maria van Reigersberg, eine Tochter des Buergermeisters von Veer. Der Ehe sind drei Soehne und drei Toechter entsprossen.

 

Hugo Grotius, der schliesslich an der Seite Oldenbarneveldt in einem Religionsstreit gegen die Gomaristen Kaempfte wurde, nachdem die Arminianer unterlagen, angeklagt: "der Regierung und den Staatsgrundsaetzen zuwider das Religionswesen verwirrt und der Kirche allerhand Widriges zugefuegt zu haben, ingleichen zu der weltlichen Regeierungswesen Schaden und Nachteil allerhand Neuerungen gesucht und angestiftet zu haben" [22] . Oldenbarneveldt wurde als Fuehrer der Arminianer zum Tode verurteilt und am 24.Mai 1619 enthauptet.

In dem selben Jahr begann Grotius in der Festung Loewenstein an der Maas seine Lebenslaengliche Freiheitsstrafe zu verbuessen. Zwar war er in Einzelhaft, durfte allerdings mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen‑ kommen. Auch Buecher durfte er erhalten soviel er wollte. Am 22.Maerz 1621 konnte der belesene Mann dann auch versteckt in einer grosse Buecherkiste, die ihm seine Frau besorgt hatte, entfliehen [23] .

 III De Jure Belli ac Pacis libri tres

Eines der bekanntesten Werke Hugo Grotius ist De Jure Belli ac Pacis libri tres. Im Fruehling des Jahres 1623 begann Grotius, vom zunehmender Willkuer und Rechtsverwirrung auch in der Kriegsfuehrung christlicher Machthaber beruehrt, dieses Werk [24] . Es besteht aus drei Buechern. Das erste Buch handelt vom Krieg und dem Recht im allgemeinen, das Zweite von den gerechten Gruenden eines Krieges und das Dritte von dem im Kriege geltenden Recht. Grundlegend ist das Naturrecht, das nur die Autoritaet der Vernunft anerkennt. Eroertert werden nicht nur Fragen des Voelkerrechts, sondern auch solche des Zivilrechts, wie z.B. das Eigentumsrecht [25] . Insbesondere mit der zentralen Figur des Vertrages, hat dieses Buch die Privatrechtslehren massgeblich bestimmt [26] .

Hier werden die obersten philosophischen Prinzipien genutzt um, wie schon erwaehnt, dialektisch zum profanen Naturrecht zu gelangen.

 

1 Das Versprechen

Fuer Grotius, der sich an der antike Philosophenschule und an die Moraltheologie orientiert, folgt eine Rechtswirkung durch den Willen einer sittlich selbstverantwortlichen Person, an den sich eine aeussere Bekunden seines Entschlusses anschliesst. Diese Person darf sich nun nicht in Widerspruch mit sich selbst setzen, weshalb das was durch Worte hinlaenglich bekundet wurde auch gegen den Willen des Erklaerenden als wahr behandelt werden muss [27] . Hierdurch gelingt es Grotius das tatsaechlich Erklaerte, aus der Natur der Sache heraus, auch gegen den Willen des Erklaerenden aufrecht zu erhalten, ohne auf das Interesse des Erklaerungsempfaengers abstimmen zu muessen. Gleichwohl stuetzt Grotius die moralische Notwendigkeit auf das Vertrauen des Erklaerungsempfaengers. Auch hier windet sich Grotius foermlich darum herum in erster Linie Zweckorientiert zu argumentieren. Hieraus resultieren auch die drei Verschiedenen Arten des Sprechens ueber kuenftige Dinge.

  a Zusage ohne jede Bindung

Hierunter versteht Grotius die ernsthafte Erklaerung eines zur Zeit vorhandenen Willens, der unter der Praemisse, dass  er bestehen bleibt, etwas Zukuenftiges regeln wird. Hiermit wird beruecksichtigt, dass der Mensch von Zeit zu Zeit auch einmal zu einer neuen Anschauung gelangt [28] .

 

 b Zusage die eine moralische Pflicht begruendet

Zu dem bekundeten Wille tritt hier, dass  der Erklaerende deutlich macht bei dem Erklaerten bleiben zu wollen. Hierdurch soll dem anderen aber noch kein durchsetzbares Recht gewaehrt werden. Lediglich eine ethische Verwerflichkeit lastet einer Entscheidung gegen das Gesagte an [29] .

 

 c Versprechen mit Rechtsbindungswillen

Das Versprechen der dritten Art zielt darauf dem anderen ein Recht gewaehren zu wollen und gibt sich so auch nach aussen zu verstehen. Dieses vollkommene Versprechen hat die gleiche Wirkung wie die Verae usserung des Eigentums. Gleichsam empirisch belegt Grotius auch diese Auffassung. Theologisch durch den biblischen Kabinettdenker Salomon, der sagte:"Mein Sohn, wenn du einem anderen etwas versprochen hast, so hast du deinen Willen aeusserlich festgelegt. Du bist gebunden durch die Worte deines Mundes."

Auf der philosophischen Seite durch Eusebius und Ovid, die ihrerseits auf den Empfaenger abzielen, bei dem das Versprechen eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Ovid beschreibt dies mit folgenden Worten des Versprechenden: "Mein Wort ist das Deine geworden".

Wichtigstes Merkmal dieses Versprechens ist die nach aussen hervortretende Ernsthaftigkeit. Diese kann sich aus einer benutzten Form oder Formel, aber auch konkludent ergeben. Dort aber wo der ernsthafte Wille fehlt, wird keine Verbindlichkeit angenommen [30] . Zu diesen Kriterien, die eine Unterscheidung zu anderen "unverbindlichen" Versprechensarten ermoeglichen, gibt es fuer Grotius noch weitere Elemente, die unmittelbar zu einem vollkommenen Versprechen gehoeren.

 2 Der Vertrag

Mit der naturrechtlichen Ableitung des Vertrages, nimmt sich Grotius eines grundlegenden moraltheologischen Problems an. Selbst einseitigen Versprechen kommt nach dem Naturrecht eine bindende Kraft zu. Dies mit der einfachen Begruendung, dass  die aufgezeigte unabdingbare Versprechenstreue Gottes, erst recht fuer den Menschen als dessen Ebenbild zutreffen muss [31] .

 

 a Wirksamkeit von Vertraegen

 

aa Geschaeftsfaehigkeit des Versprechenden

Grundvoraussetzung fuer ein vollkommenes Versprechen ist die ihm Zugrunde liegende Vernunft. Wahnsinnige, Bloedsinnige und Kinder, denen diese Vernunft fehlt, koennen aus diesem Grund ein vollkommenes Versprechen nicht abgeben. Anders verhaelt es sich bei Minder‑ jaehrigen, die bestimmte Arten von Versprechen, fer die ihr Urteilsvermoegen ausreichend gefestigt ist, geben koennen. Beruecksichtigt werden muss  hierbei das Alter der Minder‑ jaehrigen. Die im Rechtsverkehr notwendigen Festlegung des Alters bestimmt sich soweit moeglich nach dem Teritorialstatut [32] .

 

bb Form des Versprechens

Einzige Voraussetzung des Versprechens ist eine aeussere Handlung, als genuegendes Zeichen des Willens. In der Regel geschieht dies muendlich oder durch Schriftform, es gibt aber auch Faelle in denen ein blosser Wink ausreicht [33] .

 

cc Erklaerungsbote und Vertreter

Grotius sieht, dass  ein Versprechen nicht nur persoenlich, sondern auch durch einen anderen, mit Wirkung fuer und gegen den Bevollmaechtigenden, abgegeben werden kann.

Dabei ist zu unterscheiden, zwischen einer speziellen Vollmacht und einer allgemeinen Vollmacht. Der allgemein Bevollmaechtigte ist in der Lage, auf Grund einer blossen Innenvollmacht, den Vollmachtsgeber zu verpflichten, auch wenn er gegen dessen Anweisungen handelt.

 

dd Irrtum

Auch die Frage des Irrtums behandelt Grotius. Inwieweit der Irrtum als Willensmangel erheblich sei, koenne erst das Naturrecht darlegen [34] . Grotius unterscheidet den Irrtum bezueglich der Substanz und den ueber Anderes. Weiter ob ein Betrug zu dem Vertrage gefuehrt hat und ob der Vertragspartner an dem Betruge teilgenommen hat. Hiernach einige Rechts‑ geschaefte fuer gueltig oder ungueltig zu erklaeren oder zu berichtigen ist jedoch mit dem Naturrecht unvereinbar, weil es nur dem verletzten Zusteht den Vertrag, der mit seinem Irrtum behaftet ist, aufzuloesen.

Die naturrechtlichen Rechtfertigung dieser Auffassung sieht Grotius in dem allgemein anerkannten Satz, dass  aus Gesetzen, welche auf der Voraussetzung einer Tatsache beruhen, keine Verbindlichkeiten entstehen, wenn nicht auch die Tatsache wirklich besteht. Analog dazu, dass  mit dem Wegfall der Tatsache auch die Grundlage des Gesetzes fortfaellt, muss  naturrechtlich auch einem Versprechen, welches auf der Voraus‑ setzung einer Tatsache beruht die nicht gegeben ist, seine Wirkung genommen werden koennen.

Wenn der Versprechende nachlaessig gewesen ist in der Untersuchung der Sache oder in der Erklaerung seines Willens und dadurch der andere einen Schaden erlitten hat, so muss  der Versprechende diesen wegen der schuldhaften Schadenszufuegung ersetzen.

 

ee Drohung

Prinzipiell geht Grotius auch dann von der Gueltigkeit eines Versprechens aus, wenn dieses aus Furcht abgegeben wurde. Unbeachtlich ist das Motiv des Versprechende, da es nur auf das Gewollte ankommen kann. Gleichwohl muss  der, welcher einen Anderen zur Abgabe eines Versprechens bestimmt, indem er in ihm Furcht hervorruft, ihn wegen der Schadenszufuegung auf dessen Erfordern von dem Versprechen freilassen [35] . Daraus ergibt sich, dass  der mit unrechten Mitteln zu einem Vertrage genoetigte nicht an den Vertrag gebunden ist [36] .

 

ff Unmoeglichkeit

Ein Versprechen, das auf einen Gegenstand gerichtet ist der gar nicht in dem Vermoegen des Versprechenden liegt, ist fuer Grotius ungueltig [37] . Ebenso ist ein Geschaeft zu beurteilen, dem das Versprechen einer unerlaubten Handlung zu Grunde liegt. Denn das Versprechen erhaelt seine Kraft aus dem Recht des Versprechenden und geht nicht darueber hinaus [38] .

Doch kann ein Versprechen auch als unter der Bedingung gegeben gelten, dass  die Sache in die Gewalt des Versprechenden gelangt. Haengt die Bedingung wodurch die Sache in die Gewalt des Versprechenden gelangt von diesem selbst ab, so ist er verpflichtet, in den Schranken des Erlaubten, alles zu tun um sein Versprechen erfuellen zu koennen [39] .   

 

gg Sittenwidrigkeit

 

(1)Versprechen als Anreiz zu einem Verbrechen

Bei einem Rechtsgeschaeft, das die Erfuellung eines Versprechen als Anreiz zu einem Verbrechen hat, gilt das Versprechen als mit einem Mangel behaftet, weil es zum "Boesen" verfuehren soll. Dieser Mangel fuehrt zur schwebenden Unwirksamkeit des Versprechens, wird allerdings mit vollbrachtem Verbrechen geheilt. Das Unrecht, durch welches das Versprechen gehemmt war, entfuellt. Um dies zu belegen fuehrt Grotius Judas an, der freiwillig einer vermeindlichen Dirne, gerade nach vollbrachter Dienstleistung, seine Schuld bezahlte [40] .

 

(2)Zinswucher

Zinsen als solche verstossen erst dann gegen das Naturrecht, wenn sie das Mass  ueberschreiten das in den Grenzen der Entschaedigung fuer ent‑ gangenen Gewinn zu sehen ist [41] . Im Falle eines Verstosses gegen das Naturrecht wird kein Recht begruendet [42] .

 

hh Annahme von Versprechen

Zur Gueltigkeit einer Zusage gehoert, dass  diese von dem anderen Teil angenommen wird, "damit es ein Recht gewaehre" [43] . Den gleichen Erfolg erzielt eine zuvor ausgesprochene Bitte, die als fortdauernd anzu‑ sehen ist. Als nicht naturrechtlich, sondern als lediglich positives Recht bezeichnet Grotius Gesetze, die Willenserklaerungen der Annahmen zu gunsten von Kindern und Geistes‑ schwachen fingieren [44] .

 

Grotius beschaeftigt sich auch mit dem Problem der Notwendigkeit des Zugangs eines Versprechens. Fuer ihn ist dies die Frage nach der tatsaechlichen Kenntnisnahme. Er unterscheidet zur Loesung dieser Frage zwischen zwei verschiedenen Varianten des Versprechens. In der Regel und insbesondere bei gegenseitigen Verbindlichkeiten vermutet Grotius, dass  der Versprechende von der Annahme erfahren will [45] . Dies ist Scharfsinnig weil hier auch dem Versprechenden ein Recht gewaehrt wird, von dem er allerdings nur Gebrauch machen kann, wenn er Kenntnis von der Annahme erlangt. Bei einseitigen Versprechen sei allerdings zu vermuten, dass  der Versprechende eine blosse Annahme, auch wenn sie ihm nicht kenntlich gemacht wird, ausreichen lassen will um einen Vertrag zu begruenden [46] . Eindeutig ist es demnach, wenn der Versprechende seinen diesbezueglichen Willen in seinem Versprechen zum Ausdruck bringt.

 

ii Widerruf

Das Versprechen ist fuer Grotius, im Gegensatz zum positivem roemischen Recht, noch widerruflich, wenn es erst von der Annahme an gelten soll [47] .

Im Umkehrschluss  ist ein Versprechen vor der Annahme nicht widerruflich, wenn es ausdruecklich noch vor der Annahme gelten soll, da dies der Disposition des Versprechenden unterliegt. Grotius sagt hierzu, dass  eine Widerrufsmoeglichkeit nur dann vorlaege, wenn der Versprechende auch wirklich will, dass  die Gueltigkeit des Versprechens erst mit der Annahme beginnen soll [48] .

  b Vertragstypen

 

aa Die austauschenden Handlungen

Neben den Einseitig verpflichtenden Handlungen wie Schenkung, Leihe, Verwahrung etc. nennt Grotius die austauschenden Handlungen. Austauschende Handlungen sind solche, welche die Leistungen jedes einzelnen Tauschenden ausgleichen.

Grotius untergliedert die austauschenden Handlungen in drei Arten: 1.Ich gebe, damit du gibst; 2.Ich leiste, damit du leistest; 3.Ich leiste, damit Du gibst.

In der Kategorie Do ut De z.B. unterscheidet Grotius folgende vollkommene Vertraege, die nach dem Naturrecht alle gleichermassen rechtsverbindlich sind [49] .

 

(1)Tausch

Bei einem Tausch, als dem aeltesten bekannten Vertrag, wird eine Sache fuer die andere gegeben.

 

(2)Kauf

Der Kauf wird dadurch ausgemacht, dass  eine Sache gegen Geld gegeben wird.

 

(a) Maengelhaftung

Aus den Gleichheitsgrundsaetzen des Vertrags‑ rechtes, die Grotius aus dem Naturrecht ableitet, heraus muss  jede Ungleichheit zwischen Vertragspartnern ausgeglichen werden [50] . Auch dann, wenn keine Partei ein Verschulden trifft, muss  derjenige der eine fehlerhafte Sache verkauft hat den anderen, der dadurch weniger bekommen hat als beabsichtigt, so stellen als wenn die Sache diesen Fehler nicht gehabt haette [51] . 

 

(b) Eigentumsuebergang

Prinzipiell kann das Eigentum schon mit dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses uebergehen. Es steht den Vertragspartnern allerdings zur Disposition hiervon abzuweichen, als dass  sich der Verkaeufer nur zur Verschaffung des Eigentums verpflichtet und bis dahin Gefahr und Nutzen der Sache bei ihm verbleibt [52] .

(3)Wechsel

Hierbei wird, in Form eines Wechsels, Geld gegen Geld gegeben.

 

(4)Besitztausch

Eine Benutzung wird gegen eine Benutzung gewaehrt.

 

(5)Pacht und Miete

Pacht und Miete bezeichnen die Benutzung einer Sache gegen Geld.

Grotius kennt aber auch die Benutzung einer Sache gegen eine Sache.

 

c Vertragliche Nebenpflichten

Die Pflicht Ungleichheiten zwischen Vertragspartnern auszugleichen entspringt fuer Grotius daraus, dass  die Natur eine Gleichheit zwischen den Vertragspartnern verlangt [53] . Der Benachteiligte erlangt auf diese Weise einen Anspruch auf Gleichstellung durch den Bevorteilten. Konkret bedeutet dies, dass ein Vertragspartner, der um die Fehler einer Sache die er verkaufen will weiss , auch den Kontrahenten davon unterrichten muss [54] .

 

IV Stellungnahme

Hugo Grotius stuetzt alle seine Thesen apriorisch auf das Prinzip der Vernunft. Waehrend Grotius sonst konsequent versucht jedes Interesse hinter der "wahren Erkenntnis" zurueckzustellen, geht er hier wie selbstverstaendlich, fast glaeubig davon aus, dass  es die eherne Vernunft des Menschen einfach geben muss . Der Wille zu einem bestimmten Ergebnis zu gelangen verneint aber gerade hier die reine naturrechtliche Erkenntnis.

Auf seinem Weg, der zum Ziel hat empirisch zu Beweisen, dass  es ein stetiges Ergebnis fuer jede Frage gibt, welches aus dem einem allgemeingut Vernunft entspringt, stuetzt Grotius sich zugleich, gleichsam um das Erforschte zu verifizieren, auf sein moralisches Empfinden. Hieraus muss jedoch kritisch hinterfragt werden, ob es ueberhaupt gelingen kann moralisches Empfinden nur darauf abzielen zu lassen zu Kontrollieren, oder ob es nicht in der Natur des Menschen liegt Moral wertschaetzend allem vornanzustellen, da er sonst eigentlich keinen Erkenntnismassstab hat.

Doch sind die Ergebnisse die Grotius erzielt, bei aller Kritik des Ursprunges, in jeder Hinsicht bestechend.

Bestechend nicht nur in dem guten Geschmack und der vornehme Denkweise die sie widerspiegeln, sondern in erster Linie in ihrer grossen Plausiblitaet. Auch wenn das, was Grotius uns im Ergebnis anbietet, nicht Text sondern Interpretation ist, kann man seine Erkenntnis nicht falsifizieren oder ihr den Wille als Ursprung nachweisen. Selbst wenn es eine auf dem Willen basierende "blosse" Erfindungen sein sollte, weil ein Finden im Sinne von vollkommener Erkenntnis per se ausgeschlossen waere, liegt das Erfinden als Schaffensakt des Menschen auch in seiner Natur.



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